mauersegler

Mauersegler (Apus apus) gefunden

 
Sommerferien 2004
Unsere Jugendsprecherinnen und Ausbilderinnen retten Mauersegler

Auch privat kommen Saskia und Jasmin regelmäßig zusammen, um gemeinsam zu musizieren, durch die Stadt zu turnen, abzuhängen oder die Natur an der Eider zu genießen. Bei einer Ihrer Unternehmungen stolperten sie am 19.07.2004 auf der Straße fast über ein hilflos auf sie zukrabbelndes Vogelküken. Sie trauten sich erst nicht es anzufassen; aber ein Passant half ihnen beim Einsammeln und setzte den kleinen in einen Karton, damit die beiden Mädchen sich mit dem Vogel auf den Weg zum Tierarzt machen konnten.


Dort erfuhren sie, dass es sich um einen jungen Mauersegler handelte; der zwar voll Ungeziefer saß; aber schon gut gefiedert,  putzmunter und fast flugreif war. "Füttert ihn zwei Tage mit Mehlwürmern, und werft ihn dann hoch in die Freiheit," sagte der Tierarzt zu den Mädchen. Das war aber ein verdammt schlechter Rat, der dem Mauersegler nicht gut bekommen wäre. Aus zwei Tagen sollten nämlich fast zwei Wochen werden, in denen der Vogel seiner Natur entsprechend gar nicht flugtauglich war. Wir entschuldigen das aber, auch ein Tierarzt kann nicht alles wissen. Und so werden wir ihm mal einen Information über Mauersegler zukommen lassen.


Stolze Mamis

Mit dem Vogel im Karton kamen Saskia und Jasmin direkt zu mir (Tina); denn beide mochten das Baby nicht anfassen.  Ich wusste im ersten Moment überhaupt nicht, was zu tun war. Dann schoss mir ein, dass wir ja noch einen alten Vogelkäfig hatten und dass wir den kleinen Mauersegler darin erstmal auf Kaninchenstreu und Heu betten konnten. Gesagt getan: Die Mädchen holten und reinigten den Käfig und bauten ein Nest. Dann griff ich den Mauersegler und setzte ihn hinein. Er legte sich auch gleich ins Heu und wir stellten ihn raus auf den Balkon.

 

Aber: "Was sollte das Kleine jetzt bloss fressen? Mehlwürmer hatten wir ja nicht im Haus." Auch wussten wir nicht, ob es schon ausgehungert war. Der Mauersegler sah mit seinem "Falken-ähnlichen" Kopf nicht danach aus, dass ihm Körner von unserem Wellensittich oder Kanickelfutter gut bekommen würde. Schließlich jagt ein Mauersegler durch die Luft und jagt Insekten, ähnlich wie die Schwalben.


Die Berührungsängste verloren Saskia und Jasmin nach kurzer Zeit

Dann kam die zündende Idee mal im Internet nachzuschauen. Hansi machte sich auf in den Keller, um Spinnen zu fangen. Beides wurde erledigt! Aber es war schon ein Krampf die Spinnen in den kleinen Spitzen Schnabel zu bekommen, der ziemlich weich ist. Der Mauersegler öffnete ihn nämlich nicht freiwillig. Im Internet wurden wir
fündig auf den Seiten
www.wildvogelhilfe.org wo man auch etwas über Notfallfutter erfährt, und die Art und Weise, wie man so ein Tier füttert.

 

Eier hatten wir im Haus, und Fliegen konnten wir auf die Schnelle fangen.  Ein Mauersegler ist etwas besonderes und verhält sich anders als andere Vogelküken. Es kostete mich Überwindung das zerbrechliche Etwas in die Hand zu nehmen, um mit der anderen ein Öffnen des Schnabels zu erzwingen. Als der Vogel den Schnabel endlich aufriss, um fast ein ganzes Fingerglied in seinen roten Schlund reinzuziehen, wurde mir etwas anders. Aber nun konnte ich Spinnen, Fliegen und hartgekochtes Eigelb verfüttern. Auch Saskia und Jasmin versuchten später ihr Glück.
 
 

20. Juli 2004
Unser Mauersegler war quietschfidel. Zwar verhielt er sich ruhig und stand etwas unter Stress; aber in der Morgendämmerung piepte er. Zwischenzeitlich hatten wir ihn umquartiert. Ein Käfig ist für Mauersegler nämlich absolut ungeeignet, weil der Vogel darin sein Gefieder beschädigen kann, wenn er Flugtraining macht. Es war nur gut, dass wir die Webseiten gefunden hatten, sonst hätten wir einiges verkehrt gemacht. Wir legten wie beschrieben einen Karton mit Küchenrolle aus und bauten eine Kletterrampe - ebenfalls aus Karton, der mit einem Handtuch überspannt wurde. Auch etwas Heu gaben wir als Liegestätte mit hinein. Letzteres war allerdings überflüssig und erschwert nur die Sauberhaltung, also ließen wir es später weg.

Der Mauersegler nutzte das Quartier ausgiebig, kletterte und setzte sich hochkant an die Rampe, um Flugübungen zu machen
 

21.07.2004
Er war so munter, dass ich dachte ihn in die Freiheit entlassen zu können. Aber lt. Internetseiten sollte man einen Mauersegler keineswegs einfach in die Luft werfen, sondern geduldig warten, bis er von selbst fliegt. Nötigenfalls soll man es mehrere Tage aufeinander versuchen.

Das war jetzt Saskias und Jasmins Aufgabe: Sie nahmen den Mauersegler und gingen mit ihm auf die Wiese. Über eine Viertelstunde wurde der Vogel auf ausgestreckter Hand in die Luft gehalten. Aber der wollte nicht, sondern klammerte sich ganz flach auf der Hand fest und schloss seine Augen.

Also nahmen wir ihn wieder mit hinein.

Obwohl der Mauersegler quietschfidel war, hatte ich Bedenken, dass wir vielleicht irgend etwas verkehrt machen. Und so telefonierte ich herum, um irgendwo eine Auffangstation zu finden. Es gelang zunächst! Der kleine Mauersegler sollte in den Wildpark Eekholt übergeben werden. Aber nach einem weiteren Telefonat wurde wieder abgelehnt, da der Pfleger die Fütterung von früh bis spät nicht gewährleisten könne und die Tiere erfahrungsgemäß sterben.


Ich suchte weiter, wollte den Kleinen eigentlich in erfahrene Hände geben; aber das wurde nichts. Allerdings konnte ich mich an mehreren Stellen schlau machen. Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum Berlin, der selbst schon einige Mauersegler erfolgreich aufgezogen hat und ein
Forschungsprojekt von 2003-2008 durchführt (hier geht es zum Projekt bzw. zur Webcam) unterstützte mich telefonisch und via Mail sehr. Er schaute sich unsere Bilder an, und schätzte, dass der Kleine etwa am 27./28.07.2003 flügge sein könnte.  

22.07.2003
Juhu, der Mauersegler pickt endlich selbst das Futter aus der Hand

Scheint ihm zu schmecken

2 Gramm hat er an einem Tag zugenommen.

Er ist zutraulich, schaut neugierig aus seinem Karton, wenn man vorbeikommt, schläft zwischendurch in der dunklen, abgedeckten Hälfte des Kartons, klettert die Rampe auf und ab, putzt sich und trainiert seine Flügel in Abständen. Zu den Fütterungszeiten kann er es gar nicht abwarten. Er zwickt gierig in die Finger, wenn sich die Hand dem Schnabel nähert.


Ich wiege 38 Gramm


und übe immer mal wieder.


Samstag, d. 24.07.2004
Gewicht: 44-48 Gramm

Unser Apus Apus schaut sich interessiert in der Gegend um. Ganz deutlich interessieren ihn jetzt auch Insekten und Vögel.Er frisst nicht mehr so viel; aber das muss er auch nicht mehr. Noch ist der Tag des Abfluges nicht gekommen; denn Federhülsen an den Schwungfedern machen ihn noch fluguntauglich. 

Sonntag, d. 25.07.2004
Der Kleine wiegt 44-46 Gramm, ansonsten unverändert

Wir schauen uns schon mal vorsorglich nach einem geeigneten Platz um. Der Kleine soll lt. Auskunft der  Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e. V.  nämlich nicht von einer freien Wiese aus freigelassen werden, weil dort sein Feind, der Falke, nach Beute Ausschau hält. Beim ersten Start sind Falken eine zunehmende Gefahr für Mauersegler. Daher ist der beste Startort eine Straße, in der eine Mauerseglerkolonie zu finden ist. Wenn Apus Apus Artgenossen am Himmel sieht, wird er mit etwas Glück animiert, fliegt ab und kann im Schutz der Häuser an Höhe gewinnen. Die Artgenossen erblicken ihn wohl schnell, und werden herunterkommen, um ihn in ihre Obhut zu nehmen und zu beschützen. Wir hoffen, dass kein Falke in der Nähe ist; aber ich wüsste nicht, dass hier in der Stadt welche fliegen.

Nur zur Information: Menschlicher Beschützerinstinkt den Vogel einfach zu behalten wäre bei Mauerseglern absolut nicht angebracht: Abgesehen davon, dass Wildvögel generell in die Natur gehören, hat ein Mauersegler in Gefangenschaft überhaupt keine Überlebenschance, sondern würde verkrüppeln. Mit seinen - an ein Leben in der Luft angepassten und daher krummen - Füßen und Beinen kann man ihn nicht gesund am Leben erhalten. Er muss in die Luft aufsteigen; sobald er flugttauglich ist; denn nicht einmal im Zoo würde er den Platz finden, den er braucht. Immerhin fliegt dieser Vogel bummelig 190.000 km/Jahr bzw.3,8 mill. km oder ca. 100 mal um den Äquator in rund 20 Lebensjahren . Er frisst in der Luft, paart und schläft auch dort, wenn er nicht gerade Jungen aufzieht. Ansonsten klammert er sich mal kurz an Felsen oder Hauswände, um nach geeigneten Nisthöhlen zu suchen. Wir haben nachlesen können, dass ein Mauersegler bis zu drei Jahre ununterbrochen in der Luft bleiben kann, und die Jungvögel es sowieso 1-2 Jahre tun, bis sie geschlechtsreif sind. Grausame Bilder von falschem menschlichen Mitleid konnten wir ebenfalls sehen. Der Mauersegler muss raus; denn für ihn wäre nur das Einschläfern eine Alternative zum Leben in der Luft.

27.07.2004

Apus apus braucht noch ein paar Tage :-(

Tja, so ist das: Man weiß nie, wie alt so ein Vogel ist, wenn er aus dem Nest fällt. Anhand von Bildern wird unser Apus nun auf ca. 37 Tage geschätzt und braucht noch etwa 5 Tage, bis die Blutkiele verhornt sind. D. h., ein Teil der Schwungfedern steckt noch in Hülsen, und bevor diese Hülsen nicht verschwunden sind, kann der Piepmatz nicht fliegen. Das hätte der Tierarzt eigentlich auch sehen müssen. Obwohl er nicht abheben kann, trainiert Apus fleißig seine Flugmuskulatur. 

hält sein Gewicht zwischen 44 und 46g und frisst weniger oder verweigert das Fressen sogar. Das ist für uns Menschen ein beängstigendes Gefühl; aber so machen es die Mauersegler. Sie müssen vor dem ersten Start ein bisschen abspecken, damit sie ihren Körper tragen können. Da oben gibt es dann ja Insekten in Hülle und Fülle. Und ein Gutes hat das noch: Hansi braucht nicht mehr so viele Heimchen töten.

Nach neuer Schätzung anhand unserer Informationen und Bildern schätzt Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum unseren Apus auf ca. 37-38 Tage. Wenn diese Schätzung stimmt, wird Apus apus am kommenden Wochenende abfliegen können. Aus der Kiste will er jedenfalls schon raus. 
 
Außerdem interessiert er sich brennend für den Himmel bzw. umherfliegende Insekten und Vögel.

Bleibt nur zu hoffen, dass er gleich beim ersten mal losfliegt, und nicht - wie es auch manchmal vorkommt - erst beim zehnten mal.

  

Ein Wunder der Natur bereitet sich auf sein Leben in den Wolken vor.

Übrigens ist Apus apus ein sauberer Vogel. Seine Übungsrampe bleibt komplett sauber von Kot. Rückwärts krabbelnd hängt Apus den Schwanz über die Kante und schießt in der Regel nur in eine Richtung, als ob da ne Toilette wäre. Da ich den Boden mit Küchenrollenschnipseln belegt habe, ist der Karton gut sauberzuhalten.

 
Nach dem Fressen - Apus entdeckte heute eine kuschelige Ersatzmutti und drehte völlig auf dem Teller:
Er piepte los, zwickte das Häschen und bettelte wie verrückt nach Futter, obgleich er eigentlich satt war.

28.07.2004
   
Morgens um 7:00 Uhr vorm wiegen (44g) und nachmittags.
  
  

Apus apus ist jetzt etwas über 15 cm lang, das Gewicht ist immer noch stabil.

 
Auf dem Bauch liegen, flattern, Liegestütze mit den Flügeln, Schwanz in die Luft, Gleichgewicht auf den krummen Beinen halten - das ist das Flugtraining eines Mauerseglers.

           
Wenn wir uns nicht erkundigt hätten, hätten wir uns sicher ganz schön erschreckt. Denn manchmal sieht es aus, als ob der Kleine Krämpfe hat, wenn  er plötzlich vibrierend daliegt mit seinen ausgespreizten Flügeln.

Heute mussten wir den Kleinen wieder mit zum Proben nehmen. Als ich ihn auf dem Schulhof fütterte, sah ich über der Altstadtschule nebenan in großer Höhe ein paar Mauersegler fliegen. Scheinbar erblickten sie den Kleinen auf meiner Hand; denn sie sammelten sich, wurden immer mehr, kamen dichter und tiefer, und kreisten dann eine ganze zeitlang über mir.  Aber ich hatte den Fotoapparat nicht griffbereit. Nach dem Proben fuhren wir zum Schlossplatz, den wir uns derzeit als günstigsten Abflugort ausgeguckt haben, um zu sehen, ob es dort das gleiche Spiel ist. Und tatsächlich: Hoch oben flog ein Schwarm Mauersegler, und kaum, dass ich mit Apus aus dem Auto stieg, kamen sie näher und das Kreischen war deutlich zu hören.
 

Nun konnten wir auch ein paar Fotos von ihnen schießen; denn aus den kleinen flitzenden Punkten am Himmel wurde zumindest im Einzelfall eine Silhouette. 

Es ist unglaublich, dass unser Apus in wenigen Tagen dort oben mitfliegen und bald seinen Flug nach Südafrika antreten wird, wo er jetzt mehr oder weniger hilflos in seiner Kiste liegt. Mittlerweile suchen auch unsere Mitglieder schon den Himmel ab, und haben gelernt die Mauersegler von Schwalben und anderen Vögeln zu unterscheiden. So hat das Musikkorps Rendsburg ausnahmsweise auch mal etwas Naturkunde vermitteln können :-D

Apus apus hat übrigens auch einen Kosenamen erhalten: Hugo Bertha heißt er bei den Kiddies, weil niemand weiß ob es ein Männchen oder Weibchen ist. Etwas enttäuscht sind die Kinder natürlich, dass sie unseren Apus nicht in die Hand bekommen. Aber sie finden sich damit ab, dass ein Blick und ein sanftes Berühren am Kinn genug sein muss. Wir haben ihnen erklärt, dass es eine Überbelastung für den Vogel wäre, und dass Federn beschädigt werden könnten, wenn man den Mauersegler herumreicht; denn schon schweißige Hände können einen Schaden anrichten, der nicht wieder gut zu machen ist. Kaputte Federn können dem Vogel in der Natur das Leben kosten. Also müssen 5-10 Min. Schauen nach der Fütterungszeit reichen. Dann kommt Apus apus wieder in die Kiste.

29.07.2004
 
Apus apus ist immer noch quietschfidel, das Fressen wird weniger, das Gewicht scheint sich auf 44g einzupendeln. Pro Mahlzeit nimmt er etwa 2g zu sich, wenn auch ziemlich schleppend. Statt zu fressen, piepst er jetzt viel, wenn wir ihn nehmen, und versucht wie in der Anfangszeit meinen Finger zu fassen zu kriegen. Ein merkwürdiges Verhalten - gerade so, als ob er sagen wollte: "Ich fliege jetzt bald und brauche noch ein bisschen Nestwärme und Mutterliebe." Auf der anderen Seite ist er verhältnismäßig unruhig und will schnell von der Hand runter. Oft muss ich aufpassen, dass er mir nicht in den Ärmel kriecht. Es ist nämlich schwierig ihn herauszuholen, wenn er sich erstmal festgekrallt hat, und ich habe etwas Angst um seine Federn, wenn ich ihn gegen den Strich wieder herausziehen muss. Also sehe ich zu schon das Reinkrabbeln zu verhindern. 

Hansi wundert sich seit ein paar Tagen über Kopfschmerzen. Ob es wohl daran liegt, dass er seit ein paar Tagen jeden Abend vom Balkon aus in den Himmel stiert, um Mauersegler zu finden und zu beobachten *grins*? Etwa 20 Vögel tauchen bei uns nämlich um etwa 21:10 Uhr ziemlich weit oben am Himmel auf - kaum zu erkennen. Dann schrauben sie sich immer höher und entschwinden gegen 21:30 Uhr unseren Augen. Vielleicht sollte Hansi sich ein Fernglas zulegen; auch wenn es nur den Augen und nicht dem Genick nichts nützt *grins*

30.07.2004

In der Frühe vor dem Füttern: Apus wiegt 44 Gramm

 
Zeit zum Klettern in die helle Hälfte - Flugtraining - ausruhen auf der kuscheligen Frottee-Übungsrampe


In der Lieblingsecke: "Hmmmmm, eine Fliege - hoffentlich kann ich die bald selbst fangen."

 
Ich übe mal `ne Runde - linker Flügel raus - rechter Flügel raus


"Klappt noch nicht, also ausruhen für den Start und Abstieg in die dunkle Hälfte des Kartons."

31.07.2004

Im Großen und Ganzen gibt es keine Veränderungen, außer dass Apus apus ziemlich wenig frisst und das Gewicht jetzt zwischen 43 und 44 Gramm liegt. Ansonsten flattert und trainiert er weiterhin in seiner Kiste. Die Federhülsen sind noch nicht verschwunden. Wir fürchten fast, dass es noch ein paar Tage dauern wird, bis wir ihn starten lassen können. Aber wir wissen es nicht genau: Wir sind ja auch keine Fachleute. Warten wir es also ab! Hier ein paar Bilder des heutigen Tages. Und ein paar Angaben zu seiner Größe.


Auf diesem Bild krallt sich Apus apus ganz fest an meinem Daumen fest - autsch! Außerdem schauen seine Krallen jetzt viel öfter hervor, und man kann besser sehen, dass Apus seine Beine tatsächlich fast nicht gebrauchen kann. Wenn man sich vorstellt, dass seine Beine und Krallen Arme und Beine wären, ähnelt sein Vorwärtskrabbeln dem Robben von Menschen auf den Ellenbogen. Und Apus muss obendrein die Flügeln benutzen wie Stützräder am Kinderfahrrad um das Gleichgewicht zu halten.

Auf den folgenden Bildern kann man die Krallen einigermaßen sehen:

      
Wir haben Apus die "Wohnung" neu eingerichtet. Die alte Rampe war etwas kurz, so dass die Flügelenden am Boden auflagen und die Spitzen der Schwungfedern an den äußersten Spitzen zu zersausen drohten. Wir haben die Rampe jetzt anders herum aufgestellt, damit keine Federn beschädigt werden.

      
Schwungfedern wie Messer; aber schreckliche Beine. Viel höher wird Apus auch in Zukunft nicht aufstehen können, wenn er mal am Boden landen sollte. Starten ist dann für ihn auch fast unmöglich. Und so ist ein Mauersegler am Boden immer in Bedrändnis, wenn er keine menschliche Hilfe bekommt. Da spielt das Alter keine Rolle. Er ist halt ein Vogel, der komplett auf ein Leben in der Luft eingestellt wurde.

Flugtraining

40 cm Flügelspannweite sollen es mal werden - nah dran ist er wohl, wenn er die Flügel ganz spreizt.

Beim Training hebt Apus ein klein wenig ab, und dreht sich auch schon mal um. Diese Bilder wurden heute morgen nach dem "Frühstück" gemacht.
      

      

 

       

1. August 2004

 
Apus apus wiegt morgens 42-43 Gramm

 
Ich habe ihn heute mal wieder gemessen. Er ist von Schnabelspitze bis Schwanz 16 cm lang,  und wenn man die locker liegenden Flügel hinzurechnet, sind es etwa 18-19 cm. Den Rest der Federhülsen schätze ich auf etwa 1/2 - 1 cm (da will ich nicht messen, bei den Flügeln bin ich vorsichtig). Also fliegt Apus apus immer noch nicht. Ein bisschen frisst er noch, schnappt aber immer häufiger die Heimchen und schmeißt sie weg.

 
Nach der zweiten Mahlzeit wog Apus apus wieder 44 Gramm (man muss dazu sagen, dass unsere Waage nur in 2 Gramm Schritten wiegt, also gehen wir von 43 Gramm Gewicht aus.)

    
Nach langem Überlegen wissen wir auch endlich, an wen uns Apus apus erinnert:
a) an Micky Maus, wenn er uns anschaut (es fehlen nur die Ohren)
b) von der Seite an einen Delphin, wenn er den Schnabel zum Piepsen leicht öffnet (der gekrümmte Schnabel und die breite Mundspalte bis unter die Augen)

  

 Da es diese Tage recht warm ist, vermeide ich es möglichst Apus apus in die Hand zu nehmen. Aber er will es beim Füttern kuschelig haben. Daher setze ich ihn auf Küchenrolle neben das Plüschtier, dass er vor ein paar Tagen entdeckt hat. Das gefällt ihm sichtlich; denn wenn er nun etwas haben möchte, dann bettelt er das Plüschtier an, und so kann ich ihm die Heimchen reichen, ohne es allzu lange vor seinem Schnabel halten zu müssen. Heute aber zeigte Apus auch, dass er langsam hoch hinaus will. Zum ersten mal trainierte er außerhalb seiner Kiste während des Fütterns und bestieg dazu das Plüschtier - unglaublich. Erst nahm ich ihn runter; aber er wehrte sich und krabbelte immer wieder hin. Als er dann unverhofft anfing zu flattern, ließ ich ihn natürlich und griff mir schnell den Fotoapparat. Hansi achtete darauf, dass das Plüschtier nicht mit ihm umkippt.

  

   
Im Anschluss - Blick aus dem Fenster.

   
 Mit Apus apus auf seinem Plüschhasen gingen wir auf den Balkon..


 schossen noch dieses schöne Foto und setzten Apus apus in seine Kiste zurück. 


 Am frühen Abend: Wir schauen uns fliegende Mauersegler an. Noch macht Apus apus keine Anstalten zu fliegen und geht eher in Deckung, wenn er Artgenossen sieht. Aber mittlerweile guckt er nicht nur interessiert, sondern zuckt deutlich vorwärts, wenn ein leckeres Insekt vorbeifliegt.  Das Fliegen kommt sicher noch, trainieren tut Apus apus ja genug dafür, und ich glaube, dass die Gier nach lebendem Futter ihn schon von der Hand abspringen lassen wird.

 

02.08.2004

Heute morgen dachten wir, dass es evtl. zum Abend oder morgen etwas wird. Die Federhülsen waren nicht mehr zu sehen. Lediglich fühlen konnte man noch eine Kante. Auf der anderen Seite waren wir sehr unsicher, weil Apus apus um 7:00 Uhr und um 11:30 Uhr noch jeweils 10 Heimchen gefressen hatte. Wir dachten ja, dass er das Fressen 1-2 Tage ganz einstellen würde. Abgespeckt hatte er aber auf 41 Gramm - puh, das ist aber knapp; denn 40 Gramm soll er beim ersten Flug gerne wiegen.

Bei der zweiten Mahlzeit versetzte Apus apus uns einen gehörigen Schrecken. Wie gestern kroch er heute vormittag während des Fütterns plötzlich piepsend den Plüschhasen hinauf
 

 

und absolvierte sein Flugtraining.



Dann krabbelte er dem Hasen auf den Kopf und versuchte loszufliegen. Doch er hatte zu wenig Auftrieb im Wohnzimmer und landete einen halben Meter weiter auf der Couch.

  
Das war für uns der Anlass nicht einfach zu warten, bis die Kante von der Federhülse verschwunden ist, sondern Frau Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler in Frankfurt anzurufen. Wir mussten ja ohnehin klären, ob sich der Adolfsplatz für den ersten Startversuch überhaupt eignet. Diesen hatten wir nämlich ausgewählt, weil wir Apus apus nebenan am Gerhardsdamm gefunden hatten und dort sehr viele Mauersegler ziemlich tief um die Häuserecken jagen. Außerdem kann man da auf den kleinen Hügel steigen bzw. auf das Kletterhaus, um dem Vogel etwas mehr Luftraum beim Abspringen zu geben. Fraglich war nur noch die Größe des Platzes und die hohen Bäume, die ihn umsäumen.

Frau Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler gab sich verwundert darüber, dass noch Mauersegler in Rendsburg sind, da sie Frankfurter Segler schon nach Südafrika abgeflogen sind. Ihre Meinung zum Entwicklungsstand unseres kleinen Gastes und zum Wetter, eine Mischung aus Sonne, Wolken und leichtem Wind, war kurz und bündig:

"Optimal - sofort den Start versuchen!"

Kurzerhand riefen Hansi und ich die beiden Retter von Apus apus, Saskia und Jasmin, dazu, damit sie die Freilassung miterleben bzw. den Startplatz absichern und nötigenfalls Katzen o. ä. verjagen konnten. Es war ja nicht sicher, dass Apus apus den Weg nach oben schafft. Dann wurde unser Piepmatz in eine kleinere Kiste gesetzt und ins Auto verfrachtet. Ich nahm ihn noch mal in die Hand und verabschiedete mich innerlich von ihm. Er kuschelte sich hinein, lugte aber interessiert zwischen meine Finger durch und beobachtete durch das Schiebedach den Himmel, als ob er wüsste, was wir vorhatten.

 
Am Adolfsplatz angekommen setzte ich den Kleinen zum letzten mal in den Karton und stieg mit ihm auf den Hügel, um ihm die Freiheit zurückzugeben bzw. ein Leben in der Luft zu schenken. Ich holte ihn aus dem Karton und wir suchten gemeinsam den Himmel nach Mauerseglern ab, die auch sehr bald kamen. Auch verweilten sie dann über dem Platz, kamen etwas tiefer und kreischten. Apus apus zitterte in meiner Hand; aber es war wohl nur Aufregung; denn er krallte sich nicht fest.
 

Ich streichelte Apus apus noch mal und streckte meine Hände, in denen er lag, weit nach oben und wartete. 

So stand ich etwa fünf Minuten da; aber obwohl Apus apus überhaupt keine Anzeichen von Angst zeigte, sondern einfach nur wie gewohnt auf der Hand saß, tat sich rein gar nichts. Plötzlich merkte ich, dass wir den Wind von hinten bekamen, und mir schoss ein, dass ein Mauersegler gegen den Wind startet. Also stieg ich mit Apus apus wieder runter vom Hügel und stellte mich auf der anderen Seite des Adolfsplatzes auf das Spielhaus. Das hatte auch noch den Vorteil, dass ich meinen ausgestreckten Arm, der schon lahm war, auch etwas abstützen konnte *grins*

Die Mauersegler rauschten in Abständen dicht über die Bäume weg, und einzelne von ihnen kreischten auch. Es ging dann alles verdammt schnell. Ich erwartete ja, dass Apus apus erstmal seine Flügel öffnen oder sonst irgendwelche körperlich Anspannung zeigen würde. Aber er schüttelte sich nur einmal kurz, setzte mir dabei einen Haufen in die Handfläche, zögerte nur einen winzigen Moment und sprang. Und als ob er in seinem Leben nichts anderes getan hatte, flog er in Windeseile über den Platz zwischen die Bäume und in die nächste Straße hinein.

Sicherheitshalber schauten wir uns kurz darauf noch genau um, ob irgendwo ein abgestürzter Mauersegler liegt. Und natürlich beobachteten wir, als wir nichts fanden, die Mauersegler über uns.


Ein Dreiergespann sauste durch die Häuser, und kam immer wieder an uns vorbei, wobei nur einer von ihnen piepste. Auch fiel auf, dass einer von ihnen nicht zwischen den Häusern durchjagte, sondern vorher abbog. Wir bildeten uns ein, dass dieser Mauersegler unser Apus apus war, der uns "ADIEU" sagen wollte. Ob dem so ist, wissen wir natürlich nicht; aber wir schossen noch ein paar Bilder. Ich stand wohl etwas traurig da mit meiner grünen, aber von Apus weißbeklecksten Bluse.


Die Segler gingen dann langsam höher und wurden immer mehr.


Vielleicht ist Apus apus heute Abend über unserem Haus zu sehen;


denn da beobachten wir jeden Abend diese außergewöhnlichen Vögel, die als letzte oben am Himmel zu sehen sind, nachdem sie aus allen Richtungen einzeln, zu zweit oder zu dritt kommen.

Wir können jetzt für Apus apus nichts mehr tun, er muss auf sich selbst aufpassen. Wir können nur hoffen, dass wir ihm alles mit auf den Weg gegeben haben, was er zum Überleben braucht, um in Kürze mit seiner Kolonie nach Südafrika zu ziehen und bis zu drei Jahre ausschließlich in der Luft zu verbringen. 

Zum Tränen vergießen sind wir nicht gekommen; aber ein bisschen Wehmut war doch dabei. Wir werden unseren Apus apus - wenn überhaupt - nur noch als einen von vielen Punkten am Himmel wiedersehen aber nicht mehr als unseren Mauersegler erkennen können.  Und es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals wieder einen Mauersegler so nah betrachten und obendrein befühlen können. Und trotzdem sind wir glücklich diesem kleinen Kerl geholfen und die Freiheit wiedergegeben zu haben.

Am 2. August 2004 um etwa 12:30 Uhr nahmen wir also endgültig Abschied von Apus apus:

"Leb wohl kleiner Freund - pass auf Dich auf und komm nächstes Jahr heil zurück nach Rendsburg!

Wir werden Dich, Dein Piepsen, Dein Flattern, Dein Kinn-entgegenstrecken und Deinen Micky Maus Blick vermissen.

Vielleicht bleibst Du in derselben Kolonie und erinnerst Dich im nächsten Jahr an die Töne unserer Musik. Dann bist Du vielleicht einer der Mauersegler, die während unserer Proben über dem Schulhof Insekten jagen.

Schön wäre es jedenfalls!"

5. August 2004
Endgültiger Abschied?
Am Abend des Abflugtages fuhren wir nochmal zum Adolfsplatz, um nach dem rechten zu sehen: Hansi meinte, das wäre besser. Der HImmel schien im ersten Moment leer zu sein, wir waren völlig perplex. Aber dann sahen wir doch ein paar Mauersegler über uns; aber es war nicht mehr die Menge, die vorher da war. Am Gerhardsteich verweilten wir etwa 5 Minuten, und uns fiel auf, das ein Dreiergespann in unserer Nähe blieb und seine Spielchen trieb, während der Rest sich weiter entfernte. Naja, das war wohl reiner Zufall.

Uns interessierte aber brennend, ob sich auch die Anzahl Mauersegler in anderen Ecken von Rendsburg so dezimiert hat, und machten die Runde, die wir zuvor fast jeden Tag machten, als wir nach einem geeigneten Startplatz für Apus suchten. Überall war es das Gleiche: Es waren noch viele Mauersegler da; aber der Löwenanteil schein schon abgereist zu sein.

Abends setzte ich mich an den PC um ein bisschen Vereinsarbeit aufzuarbeiten. Apus hatte mir ja einiges an Zeitaufwand abverlangt, so dass das eine oder andere liegenblieb. Hansi saß derweilen auf dem Balkon, um sich von seinem Arbeitstag in der Krankenpflege auszuruhen. Aber das wurde nichts. Gegen 19:30 Uhr rief er mich ganz aufgeregt zu sich, und zeigte mir einen einzelnen Mauersegler, der ganz nahe zwischen Kirche und unserem Haus ein paar mal hin und her sauste. Einen Augenblick später gesellten sich zwei weitere Mauersegler hinzu.

Das war ein merkwürdiges Gefühl. Hatten wir doch in den letzten zwei Wochen genau den Himmel über uns beobachtet. Mit Ausnahme der abends zwischen 21:10 und 21:30 Uhr über uns aufsteigenden größeren Menge an Mauerseglern, hatten wir in unserer Wohngegend schließlich noch keine bei uns gesehen. Wir hatten außerdem versucht sie zu fotografieren; aber dafür waren sie viel zu weit weg und viel zu hoch. Und nun kommen plötzlich jeden Abend ein bis drei einzelne Segler so nahe vorbei? Das lässt uns glatt darüber nachgrübeln, ob Apus apus wohlmöglich die Nähe zu seiner Babystube und der nebenan liegenden Kirche sucht, die er zwei Wochen jeden Tag direkt vor dem Schnabel hatte. 

Nach allem, was wir in dieser kurzen Zeit über Mauersegler gelernt haben, trauen wir unserem Zögling auch das noch zu. Zugvögel haben naturgemäß einen guten Orientierungssinn, und die paar hundert Meter Luftlinie vom Adolfsplatz zu uns, überwindet ein Apus apus in Sekundenschnelle. Es ist einfach zu schade, dass wir in diesem Punkt niemals Gewissheit haben werden. Apus apus ist nur noch ein Vogel von vielen.

 

Der Deutschen Mauerseglergesellschaft fehlen Personen, die sich in Schleswig-Holstein für die Mauersegler einsetzen. Wer Interesse hat, findet Emailadressen auf den Internetseiten

Der Mauersegler zum Vogel des Jahres 2003 gekürt - hier geht es zum Naturschutzbund. 
                                            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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